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Digitalisierung, ein Segen ?

Die Digitalisierung hat ausgesprochen gravierende Auswirkungen auf Arbeitswelt und Gesellschaft. Nein, ich meine nicht die Glasfaser im Haus, die ultraschnelle Verbindungsmöglichkeit ins Internet für Jedermann, die gerade nahezu in allen Parteiprogrammen zur Bundestagswahl auftaucht – besonders geeignet zum Streamen von HD-Videos und Online-Gaming.

Nein, es geht um den Computer, der inzwischen die Arbeit vieler Verwaltungsberufe strukturiert und festlegt. Beispiel: Sozialversicherungsfachkraft. Vor 40 Jahren lernte man in dieser Ausbildung jede Menge Sozialversicherungsrecht (SGB I – X bzw. RVO). Nach der Ausbildung legte man eine Prüfung vor dem Bundesversicherungsamt ab und konnte danach Versicherungsfälle rechtlich bewerten und selbstständig Entscheidungen treffen. Damals gab es auch schon Computer – hässliche grüne Bildschirme, vor denen Datentypisten die notwendigen Eingaben vornahmen, damit die Rechenanlage die Zahlen überprüfen und korrekt abrechnen konnte.

Heute sitzt die Sozialversicherungsfachkraft (oder eine Person, die an ihre Stelle getreten ist), selbst in irgendeinem Callcenter vor dem Computer, gibt die Daten ein und erhält die Bewertung des Falles vom Bildschirm. Die Maschine gibt auch vor, wie die weitere Bearbeitung vorgenommen werden soll. Der Sachbearbeiter nimmt selbst gar keine Bewertung mehr vor. Alles wird vom Rechner vorgegeben. Der Sachbearbeiter benötigt also gar keine Rechtskenntnisse mehr. Er muss nur noch den Computer bedienen. Fragestellungen, die der Programmierer nicht vorgesehen hat, können nicht bearbeitet werden, jedenfalls nicht vom Sachbearbeiter.

Ein schlauer Kopf aus der IT-Branche hat einmal behauptet, dass es mit zunehmender Digitalisierung der Berufswelt am Ende nur noch zwei Sorten von Berufen geben wird. Der einen Berufsgruppe  gibt der Computer vor, wie die Arbeit zu geschehen hat. Der Mensch ist dem Rechner quasi untertan. Die andere Berufsgruppe bestimmt, was der Computer tut (und damit dessen Untertanen), entweder als Programmierer oder als Vorgesetzter einer ganzen Abteilung.

Die Digitalisierung der Arbeitswelt hat also zur Konsequenz, dass die Sachbearbeiter immer inkompetenter werden und zu Eingabesklaven der Rechenanlagen mutieren. Das könnte dem Normalbürger solange egal sein, wie unverändert zufriedenstellende Ergebnisse erzeugt werden. Aber wir müssen feststellen, dass eben das nicht mehr gewährleistet ist. Sobald es sich um einen speziellen Fall handelt, oder irgendein Datenaustausch (zumeist automatischer Natur) nicht funktioniert, kommt es zu Problemen, die niemand mehr lösen kann.

Schon jetzt gibt es bei vielen Firmen, Versicherungen und auch Behörden gar keine Möglichkeit mehr, direkt mit einer Person zu sprechen. Wenn überhaupt kann man nur die sogenannte „Hotline“ anrufen. Am anderen Ende befindet sich ein Maschinenuntertan, der nur das tut, was die Maschine an Optionen vorgibt. Eine Person, welche den Vorgang eigenständig bewerten UND daraufhin Entscheidungen treffen kann, bekommt man nur in Ausnahmefällen an die Strippe.

Ich befürchte, dass es zukünftig noch weniger Menschen geben wird, die eine Sachlage bewerten und selbstständig Entscheidungen treffen können. Und die Digitalisierung wird weiter voranschreiten. Mit ICD-10 wurde von der Weltgesundheitsorganisation eine Klassifikation aller existierenden Krankheiten vorgenommen. Wer sagt uns denn, dass nicht in allernächster Zukunft der Arzt (oder  eine weniger akademische Hilfskraft) vor einem Rechner sitzt, der ohne menschliche Einflussmöglichkeiten vorgibt, welche Untersuchung als nächste zu erfolgen hat und in Abhängigkeit der eingegebenen Ergebnisse eine Diagnose ausspuckt ? Möglicherweise ist man in 10 Jahren sogar dankbar, dass man durch diese Technik den sich bereits jetzt abzeichnenden Hausärztemangel kompensieren kann.

Digitalisierung, ein Segen … ?
Spätestens dann nicht mehr … !

Mündiger Bürger ? Haha …

Gerade kam in den Nachrichten, dass der EuGH die Entscheidung der Europäischen Kommission erneut bestätigt hat, bestimmte sachlich korrekte Aussagen als Werbung zu verbieten.

Worum geht es ?

Die Firma Dextro-Energy, Hersteller der bekannten Traubenzuckerpäckchen, wollte erreichen, dass das Verbot z. B. des folgenden Satzes in der Werbung aufgehoben würde: „Glucose unterstützt die normale körperliche Betätigung”.  Dieser Satz ist wissenschaftlich richtig.

Begründung der Kommission für das Verbot: Die Werbesätze verwirrten Verbraucher. Denn grundsätzlich werde empfohlen, weniger Zucker zu sich zu nehmen.

Oh yeah, und da der Verbraucher deppert ist, verbieten wir mal eben diese Werbung. So wie wir Zigarettenwerbung verboten haben. Und Alkoholwerbung – na ja, wenigstens zum großen Teil. Als nächstes kommen dann wohl die Energy-Drinks an die Reihe.  Die Grünen haben da bestimmt noch mehr Ideen.

Wie gesagt, der Verbraucher ist offenbar unterbelichtet, man muss ihn vor schädlichen Einflüssen schützen. Man muss ihn schützen, dass er bei seiner Bank irgendwelche Investitionen tätigt, die er eigentlich gar nicht tätigen wollte. Man muss ihn schützen, dass er sich an der Haustür irgendetwas aufschwatzen lässt, was er gar nicht haben wollte.

Er ist nicht in der Lage, zu erkennen, dass Convenience Food schlecht für ihn ist, er ist nicht in der Lage, seinen Kindern morgens ein Frühstück zu bereiten. Er ist sowieso nur am qualmen, saufen und kiffen, wenn man das staatlicherseits nicht massiv unterbinden würde. Und um die anderen Dinge wird sich staatlicherseits demnächst auch gekümmert …

Ja, der Staat. Ohne den geht es nicht. Man kann die Verantwortung für sein Leben bequem in seine Hände legen. Wenn man Bockmist baut: irgendjemand war bestimmt schuld. Warum selbst nachdenken, ob das, was man gerade tut, gut für einen ist ? Warum nachdenken, ob man einen Vertrag unterschreiben soll, den man nicht verstanden hat ? Warum sich nicht einfach nur von Pommes und Burgern ernähren, sind doch preiswert. Und nicht verboten …

Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Sicherheit oder Freiheit.

Noch können wir uns entscheiden.