Mündiger Bürger ? Haha …

Gerade kam in den Nachrichten, dass der EuGH die Entscheidung der Europäischen Kommission erneut bestätigt hat, bestimmte sachlich korrekte Aussagen als Werbung zu verbieten.

Worum geht es ?

Die Firma Dextro-Energy, Hersteller der bekannten Traubenzuckerpäckchen, wollte erreichen, dass das Verbot z. B. des folgenden Satzes in der Werbung aufgehoben würde: „Glucose unterstützt die normale körperliche Betätigung”.  Dieser Satz ist wissenschaftlich richtig.

Begründung der Kommission für das Verbot: Die Werbesätze verwirrten Verbraucher. Denn grundsätzlich werde empfohlen, weniger Zucker zu sich zu nehmen.

Oh yeah, und da der Verbraucher deppert ist, verbieten wir mal eben diese Werbung. So wie wir Zigarettenwerbung verboten haben. Und Alkoholwerbung – na ja, wenigstens zum großen Teil. Als nächstes kommen dann wohl die Energy-Drinks an die Reihe.  Die Grünen haben da bestimmt noch mehr Ideen.

Wie gesagt, der Verbraucher ist offenbar unterbelichtet, man muss ihn vor schädlichen Einflüssen schützen. Man muss ihn schützen, dass er bei seiner Bank irgendwelche Investitionen tätigt, die er eigentlich gar nicht tätigen wollte. Man muss ihn schützen, dass er sich an der Haustür irgendetwas aufschwatzen lässt, was er gar nicht haben wollte.

Er ist nicht in der Lage, zu erkennen, dass Convenience Food schlecht für ihn ist, er ist nicht in der Lage, seinen Kindern morgens ein Frühstück zu bereiten. Er ist sowieso nur am qualmen, saufen und kiffen, wenn man das staatlicherseits nicht massiv unterbinden würde. Und um die anderen Dinge wird sich staatlicherseits demnächst auch gekümmert …

Ja, der Staat. Ohne den geht es nicht. Man kann die Verantwortung für sein Leben bequem in seine Hände legen. Wenn man Bockmist baut: irgendjemand war bestimmt schuld. Warum selbst nachdenken, ob das, was man gerade tut, gut für einen ist ? Warum nachdenken, ob man einen Vertrag unterschreiben soll, den man nicht verstanden hat ? Warum sich nicht einfach nur von Pommes und Burgern ernähren, sind doch preiswert. Und nicht verboten …

Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Sicherheit oder Freiheit.

Noch können wir uns entscheiden.

 

Inklusion – ein großes Missverständnis ?

Was ist eigentlich Inklusion ?

Hmm, das bedeutet doch, dass die Behinderten jetzt alle mit in die normalen Schulen gehen sollen, weil das die UN beschlossen hat. Oder ?

Tja, genau das wollen uns die Gleichheitsfanatiker unter den Bildungspolitikern glauben machen. Alle müssen unter ein Dach – auch wenn das die Lehrer der Grund- und weiterführenden Schulen an den Rand der Verzweiflung bringt.

Fragen wir uns doch mal völlig unvoreingenommen: Was sollte die UN zu der Forderung verleiten, unser seit Jahren bewährtes System der Förderschulen abzuschaffen, um deren Schüler mit in den Regelschulen zu unterrichten ? Welche Bildungseinrichtung wird einem Kind mit besonderem Förderbedarf eher gerecht: eine Regelschule oder eine auf diese Kinder spezialisierte Förderschule mit entsprechend geschulten Lehrkräften ?

Nun, die Antwort ist ganz einfach: Die UN hat überhaupt nichts gegen unsere Förderschulen. Sie fordert nur, dass unser Bildungssystem sich um diese Kinder kümmert, dass sie Teilhabe an Bildung bekommen und dadurch später die Möglichkeit haben, mit dieser Bildung ein eigenständiges Leben zu führen.

Der englische Text in Absatz 1 von Artikel 24 führt dazu aus:

„… States Parties shall ensure an inclusive education system at all levels and lifelong learning …“

Das übersetze ich wie folgt:

“ … die angeschlossenen Staaten sollen ein inklusives Bildungssystem für alle Leistungsstufen und lebenslanges Lernen … sicherstellen …“

Hier ist also keineswegs die Rede davon, dass alle Schüler gemeinsam unterrichtet werden sollen, sondern dass das Bildungssystem für alle zur Verfügung stehen soll.

Weiter unter Absatz 2a):

„Persons with disabilities are not excluded from the general education system on the basis of disability, and that children with disabilities are not excluded from free and compulsory primary education, or from secondary education, on the basis of disability; “

Das heißt für mich:

„Personen mit Behinderungen (dürfen) nicht vom allgemeinen Bildungssystem aufgrund ihrer Behinderung ausgeschlossen werden, und Kinder mit Behinderungen (dürfen) nicht vom Besuch von einem kostenfreien und verpflichtenden Primär- oder Sekundärunterricht aufgrund ihrer Behinderung ausgeschlossen werden.“

Tja, nun wird es schwierig. Primär- und Sekundärunterricht ? Das entspricht in Deutschland in etwa Grundschulen und weiterführenden Schulen. Aber dieser Unterricht wird natürlich ebenso in Förderschulen erteilt. Das wird aber in der deutschen Originalübersetzung nicht deutlich. Hier spricht man davon, dass diese Kinder nicht von einem unentgeltlichen und obligatorischen Grundschulunterricht ausgeschlossen werden dürfen.

Also: das englische Original spricht von den Lerninhalten, die deutsche Originalübersetzung gibt den Lernort vor. Um den geht es aber überhaupt nicht.

Dasselbe ist dann auch noch einmal unter Absatz 2b) erwähnt.

Also: Die UN hatte vor, die Rechte der behinderten Kinder dahingehend zu stärken, dass sie überhaupt im Grundschul- und weiterführenden Stoff unterrichtet werden. Für die deutschen Bildungsideologen war dies natürlich eine Möglichkeit, ihre eigenen Vorstellungen einzubringen und mit Verweis auf die UN die Förderschulen zu Lasten der betroffenen Schüler und ihrer Eltern zu kippen.

Rot-Grün hat zugeschlagen. Schwarz-Gelb hat nicht richtig hingeschaut. Bildungspolitik ist ja langweilig.

Das rächt sich noch, Freunde.

Der Originaltext (englisch, französisch, deutsch) steht hier.

Weiterführende Informationen stehen hier.

Danke an meine Frau Claudia Jacobi, die mir die Wichtigkeit von Bildungspolitik deutlich gemacht hat, und mit der ich täglich über Politik diskutiere.