Sitzen Sie gefälligst in der ersten Reihe!

Natürlich tun Sie das, wenn Sie abends Ihr Fernsehgerät einschalten. Bevor ich mich zur Qualität der Inhalte äußere, versetzen Sie sich bitte einmal in folgende Situation:

Sie sitzen abends gemütlich in Ihrem Wohnzimmern und lesen gerade ein Buch oder eine Zeitung. Plötzlich klingelt es an der Tür. Sie öffnen und sehen eine Person mit einem Buch. Sofort beginnt sie, Ihnen etwas aus diesem Buch vorzulesen. Sie ärgern sich über die Störung, schließen die Tür und fahren mit Ihrer Lektüre fort. Nach einiger Zeit – Sie haben die fremde Person in vor der Haustür fast vergessen – klingelt es erneut. Eine andere Person steht vor der Tür und erklärt Ihnen, dass Ihnen ein Buch vorgelesen worden sei. Dafür sei jetzt eine Gebühr zu entrichten. Mit den Worten „Das habe ich nicht bestellt“ knallen Sie die Tür zu, und wundern sich über die merkwürdigen Zeitgenossen, die Ihnen ungefragt Medieninhalte verkaufen wollen.

Kommt Ihnen das bekannt vor ? Genau. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben es genauso gemacht. Natürlich sind sie nicht von Haus zu Haus gezogen, sondern sie haben – moderne Technik – ihre Inhalte ins Internet gestellt. Anschließend gingen sie kassieren.

Das Resultat ist nun die Haushaltsabgabe, die für jeden Haushalt fällig wird, egal ob TV- und RF-Geräte vorhanden sind oder nicht. Und natürlich erst recht egal, ob das Programm konsumiert wird.

Hier wurde also „von hinten durch die Brust ins Auge“ eine neue Abgabe installiert, die dazu dient, einen riesigen Medienkomplex am Laufen zu halten, der darüber hinaus auch noch fragwürdige Verbindungen zur Politik hat.

Denkt der geneigte Leser nun etwa: Okay, ich zahle für das Programm, dafür habe ich dann auch keine Werbeunterbrechungen. Ha ha, weit gefehlt. So etwas würde bei den privaten Anbietern gelten. Da man sich ja bei den öffentlich-rechtlichen Anbietern nicht mehr abmelden kann, gibt es Zwangsabgabe und Zwangswerbung.

Denkt der geneigte Leser nun etwa: Okay, ich zahle und es gibt Werbung. Dafür ist bestimmt das Programm besser. Ha ha, das war einmal. Heute ist es so: Die privaten – die ja um jeden Zuschauer buhlen müssen, denn ohne Zuschauer keine Einnahmen – kommen mit neuen Ideen (ich habe nicht gesagt, mit „guten“). Es dauert dann ein paar Monate, und die öffentlich-rechtlichen ziehen nach. Soaps ? Doku-Soaps ? Gibt es inzwischen auch bei den ÖR. Comedians ? Gibt es auch überall.

Auf der anderen Seite: Bildungsfernsehen ? Fehlanzeige. Selbst 5 Minuten Spots wie „Der 7te Sinn“ wurden abgeschafft. Was ist denn eigentlich noch die Aufgabe der ÖR ? Mit den privaten um die Wette bieten, wer die Champions‘ League ausstrahlen darf ? Auf Kosten der Gebührenzahler – versteht sich.

Hier hat sich ein ganz schlimmer Geldfresser entwickelt, der dringend gestutzt werden muss:

  • Werbung in den ÖR wird verboten. Da Werbung die einzige Einnahmequelle der privaten ist, darf ein staatsfinanzierter Sender hier nicht mitmischen. Punkt.
  • Inhalte, die in ähnlicher Form von den privaten Anbietern geliefert werden, werden nicht mehr von den ÖR angeboten. Dazu zählen jegliche Unterhaltungsprogramme ohne Bildungsanteile (ja auch Krimis, Soaps etc.). Im Prinzip genügen etwa drei bis vier Kanäle a la Tagesschau24, ZDF-info, Phönix, ggf. Arte.
  • Im RF-Bereich werden Mainstream-Sender wie NDR1, NDR2, WDR2 usw. sofort geschlossen. Übrig bleiben tatsächliche Informationsangebote wie Deutschlandfunk, NDRinfo, WDR 5. Über kulturelle Sender wie NDR3 lässt sich noch nachdenken.

Fangen wir erstmal mit dem Werbungsverbot an. Vielleicht bewegt sich dann schon mal etwas zum Guten.

 

 

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