Mission accomplished

Tja, das waren Zeiten. März 1979, ich war einer von 100.000 Demonstranten gegen Atomkraft in Hannover. Gutes Wetter, gechillte Polizisten, friedliche Demonstranten, leider gab es damals noch keine Smartphones, um diese geschichtsträchtige Begebenheit festzuhalten und irgendwo zu posten.

Meine Studentenkarre Ende der 70er: Ein Citroen Ami 8 Break – 32 PS aus 2 Zylindern – politische Gesinnung deutlich sichtbar

 

Irgendwie entwickelte sich aus der Anti-AKW-Bewegung die Partei der Grünen. 1985 wurde Joschka Fischer in Turnschuhen vereidigt als Umweltminister. Ja, der war doch einer von uns. Und er zeigte dem Establishment, was wir für umweltpolitisch sinnvoll hielten. Vor allem weg mit dem Atomstrom. Aber auch ansonsten war der deutsche Michel umweltmäßig nicht wirklich up-to-date. Der gemeine Deutsche musste erst mal umerzogen werden, jawohl. Gegen Kernkraft, gegen Dünnsäureverklappung in der Nordsee, gegen Schrottbohrinseln, die irgendwo geparkt wurden. Immissionsgesetze mussten her (tschüß Gartenfeuer, tschüß Braunkohleabbrand, tschüß Trabi).

Dann lernten die Deutschen, den Müll korrekt zu trennen. Die Verpackungsreste (Grüner Punkt) kommen in den gelben Sack, Bioabfälle in die braune Tonne, Papier in die blaue, sonstiger Haushaltsmüll in die schwarze, Altglas bringen wir sortenrein in die Glascontainer.

Und dann ging es weiter mit Dingen, die nicht so gut klappten, z. B. Einweg- und Dosenpfand. Diese sorgten dafür, dass die Mehrwegquote von Getränkeverpackungen auf deutlich unter 50 % fiel. Hmmm.

Die Grünen haben die Deutschen ordentlich umerzogen (mit ihnen selbst hätte das natürlich keiner machen dürfen, aber geschenkt). Eigentlich haben sie alles erreicht, wofür sie sich damals 1980 gegründet hatten. Die letzten Atomkraftwerke gehen Ende 2022 vom Netz. Der deutsche Michel ist der Mustermülltrenner Europas. Mehr und mehr Deutsche leben vegetarisch oder sogar vegan. Now what ?

Tja, wenn eine Organisation erst einmal existiert, schafft sie sich nicht ab, auch wenn ihre Mission erfüllt ist. Insbesondere nachdem man gute Erfahrungen mit dem Umerziehen gesammelt hatte, versucht man es eben mit anderen Themen: Schulpolitik, Sozialpolitik oder einfach nur Bevormundung der Bürger: Jawohl, ein Veggieday muss her. Wir verordnen jetzt, dass an einem Tag der Woche kein Fleisch gegessen werden darf.

Geht’s noch ? Ich bin weiß Gott kein Freund der deutschen Fleischfabriken. Aber ich gehe davon aus, dass die deutschen Bürger mündige Bürger sind und nicht – wie kleine Kinder – erzogen werden müssen. Ja ja, wir mochten als kleine Kinder auch den Fisch nicht, der jeden Freitag auf dem Speiseplan stand. Inzwischen sind wir aber erwachsen, oder nicht ?

Gerne erfahre ich als Konsument, wie das Stück Fleisch entstanden ist, das ich gerade kaufen möchte. Dann kann ich selbst entscheiden, ob ich für ein Stück Biofleisch, das von artgerecht gehaltenen Tieren stammt, mehr ausgeben möchte als für eines aus den deutschen Tierfabriken.

Aber bitte keine Bevormundungen mehr, die wollt Ihr Grünen schließlich auch nicht.

Aber eigentlich bin ich der Meinung, dass Ihr alles erreicht habt was ihr wolltet. Es hat keine vierzig Jahre gedauert. Glückwunsch. Und jetzt bitte nicht in anderen Themen versuchen, von denen Ihr keine Ahnung habt, sondern auflösen.

Naja, macht Ihr ja doch nicht. Dann macht es eben der Wähler für Euch.

 

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